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Pressestimmen zum Mittsommernachtstisch 2011

Die Badische Zeitung schreibt:
Die Entdeckung der Langsamkeit

Ein lauer Samstagabend lockt Tausende an den ein Kilometer langen »Mitternachtstisch« in der Altstadt. Diesen Artikel aus der Badischen Zeitung können Sie hier lesen: weiterlesen ->

Pressestimmen zum Mittsommernachtstisch '09

Fabrik Rund Brief (Nr. 46, '09), Dieter Roeschmann schreibt:
Freiburg, 20. Juni 2009, 22:12 Uhr. Tausende von Menschen drängeln sich durch die Gerberau, stehen in Gruppen zusammen oder sitzen an Tischen entlang der geschlossenen Ladenfronten. Sie essen,
trinken, spielen, reden. Irgendwo singt eine Frau provencalische Lieder zur Gitarre. Klingt gut, aber an ein Durchkommen ist nicht zu denken.
Eigentlich wollten wir nur kurz schauen, was das wird: der Mittsommernachtstisch, organisiert als öffentlicher Auftakt zu den 19. Baden-Württembergischen Theatertagen. Ein Stadtmarketing-Gag? Ein Flashmob der Bürgervereine und Kulturinitiativen? Ein Copy & Paste-Import der Jahrhunderte alten Contrada-Tradition aus Siena?
Jetzt stecken wir fest, zwei Stunden und lächerliche 300 Meter von unserem Ausgangspunkt am Marienbad entfernt, und es ist nichts von all dem und noch viel mehr. Die Altstadt befindet
sich im Ausnahmezustand, und jeder ahnt, dass dieser Zustand ein anderer ist, als man ihn von Massenevents wie Stadtteil-Hocks, Mega-Samstagen oder WM-Public Viewings
kennt.
So etwas hat es in Freiburg noch nicht gegeben: ein Fest mitten in der Stadt, bei dem grundsätzlich jeder Gastgeber und jeder Gast sein darf. Einzige Regel: Wer einen der 500 kostenlosen Plätze auf dem Kulturkilometer zwischen Theater und Marienbad reserviert hat, sollte Stühle und einen Tisch mitbringen
und Essen und Trinken umsonst anbieten. Rund dreiviertel der Plätze sind belegt: Teenager feiern Geburtstag, Hobbyliteraten rezitieren Gedichte, WGs haben ihre Küchentische auf die Straße gestellt, Elterninitiativen kochen Bildungssuppe. Es gibt absurde Performances von Hausgemeinschaften,
Eichhörnchen-Filme an der Museumsmauer, das Berlusconi- Abwahlbüro einer italienischen Community und jede Menge improvisierte Freiluft-Lounges von Kulturinstitutionen.

Als wir nach knapp vier Stunden endlich beim Tisch des „Vor- derhauses“ vorm Theater ankommen, blicken wir in euphorisierte Gesichter. Kein Wunder. Hunderte von Freunden und Fremden sind hier seit Beginn des Festes vorbeigekommen, haben sich’s gemütlich gemacht, gequatscht, gelacht und Bier getrunken, als wäre das Stück Asphalt am Rotteckring nie etwas anderes gewesen als das Wohnzimmer des Kulturbüros. Schöner lassen sich Intimität, Öffentlichkeit, Alltag und Kultur kaum auf einen Nenner bringen. Sicher kann man das, was hier passierte, als ein Fest der kulturellen Vielfalt loben, wie „Der Sonntag“ es am nächsten Tag tat. Man kann es auch als Beleg dafür nehmen, „wie toll, entspannt und abenteuerlustig Freiburg und seine Bewohner sind“ („fudder“).

Einzigartig war der Mittsommernachtstisch jedoch aus einem anderen Grund: Deutlicher als jede andere Großveranstaltung der letzten Jahre hat er gezeigt, wie eng das Modell einer lebendigen Stadt mit den Möglichkeiten der freien Nutzung ihrer öffentlichen Räume zusammenhängt - und wie dramatisch diese Möglichkeiten mittlerweile eingeschränkt sind. Längst ist die Stadt Konsum- statt Kommunikationsraum; auf zahlreichen öffentlichen Flächen gelten keine Bürgerrechte mehr, sondern das Hausrecht von Pächtern und Ladenbesitzern, das den Zutritt regelt und klar stellt, wer sich wann und wo unter welchen Bedingungen aufhalten darf. Auch wenn sich der Mittsommernachtstisch in den ersten Minuten nicht anders angefühlt haben mag wie jedes beliebige Weinfest in abendlicher Altstadtkulisse - spätestens nach einer Stunde dürfte vielen klar geworden sein, dass das Motto der diesjährigen Theatertage „Alles ist politisch“ in diesem Zusammenhang weit mehr als eine kecke Behauptung war. Die Idee, Menschen einzuladen, sich eine durch beleuchtete Wall-Werbemöbel, Bistrotische und Eventmanager privatisierte Öffentlichkeit für ihre eigenen Zwecke zurück zu erobern, hatte etwas Utopisches. Angesichts der schleichenden Entdemokratisierung des öffentlichen Raums provozierte sie die entscheidende Frage: Wem gehört die Stadt? Am Abend des mittsommernachtstischs waren es die vielen kulturellen, sozialen und anderen Initiativen, die das Leben in Freiburg abseits aller onsumzwänge prägen - und Tausende von Bürgerinnen und Bürgern, denen die ungewohnte Freiheit für einen kurzen Moment zeigte, wie wichtig öffentliche Freiräume für die Kultur einer Stadt sind.

Kein Wunder, dass viele am Ende meinten, dass man dieses Fest zur Institution machen sollte. Am besten gleich. Am besten täglich. Am besten in den Köpfen.

 

Die Badische Zeitung schreibt:
Der erste Mittsommernachtstisch – ein Spaziergang

So mancher stornierte seine Reservierung für den Mittsommernachtstisch am verregneten Freitag. Doch dann gab’s ein Happy End : Das Wetter hielt. Tausende Menschen drängelten sich an fast 500 Tischen. BZ-Redakteur Frank Zimmermann hat sich treiben lassen.... weiterlesen ->